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Imker bereit zur Klage gegen hoch toxisches Nervengift

! Spendenaufruf für die Gesundheit unserer Bienen !

Bienensterben 2008

Nach offiziellen Schätzungen starben mehr als 11.000 Bienenvölker im Frühjahr 2008 im Rheingraben bei der Ortenau. Ursächlich war der Wirkstoff Clothianidin, ein Nervengift, das in der Landwirtschaft eigesetzt wurde. Mais wurde vor der Aussaat mit diesem Mittel gebeizt, um sie vor Fraßinsekten zu schützen. Der Staub dieses hoch toxischen-Mittels wehte jedoch durch die Landschaft.
Nicht nur Honigbienen starben. In den Auwäldern zwischen Bad Krozingen und Rastatt war kein Insekt mehr zu finden. Nichts krabbelte oder summte mehr. Der Naturschutzbund NABU geht davon aus, dass etwa 27.000 Hektar Naturschutzgebiete betroffen sind. Im Raum Passau, im Voralpenraum und im Ausland sind solche Bienenvergiftungen ebenfalls nachgewiesen worden.
Die Imkerschaft im In- und Ausland berichtet seit Jahren über Probleme bei der Volksentwicklung, im Zusammenhang mit Pollentracht aus Kulturen, die mit Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide (zu dem auch Clothianidin gehört) behandelt wurden.

Wiederzulassungbeantragt

Nun strebt der Konzern BayerCropScience eine Wiederzulassung des bienengefährlichen Pflanzenschutzmittels an. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
hat sich bisher die Argumentation des Konzerns Bayer zu eigen gemacht. Es handele sich um einen einmaligen Unfall, für den allein die Firmen, welche das Saatgut beizen, verantwortlich seien. Eine dem
Berufsimkerbund neuerdings bekannt gewordene Studie aus dem Jahr 2006 (umseitig) beweist jedoch, dass es sich um ein generelles Problem handelt, welches schon lange bekannt, bewußt verharmlost und in Kauf genommen wurde.
Der Berufsimkerbund hatte die Bundesregierung im Frühjahr 2008 rechtzeitig vor der Aussaat
in schriftlicher Form vor der Zulassung dieses Mittels gewarnt. Jenseits des Rheins in Frankreich, war es schon verboten. Sollte die neuen Erkenntniss und Apelle nicht fruchten, wird der Berufsimkerbund gegen die Zulassung klagen.
Imkerkollegen, Honigkunden und Naturschützer, bitte unterstützen Sie den Berufsimkerbund bei
seinen politischen Aktivitäten und juristischen Schritten mit Spenden!
Deutscher Berufs & Erwerbsimkerbund
D-86919 Utting
www.berufsimker.de
European Professional Beekeepers
Assoziation
D-77725 Oppenau
www.epba.info

Bitte spenden Sie
Stichwort: „kein Clothianidin”
Kto 82 28 454 BLZ 700 520 60,
Sparkasse Landsberg
Kontoinhaber: Berufsimkerbund DBIB

? Probleme mit Beizmittel schon lange bekannt!

Die Probleme mit Neonicotinoiden als Beizmittel wurden in Italien schon im Jahr 2003 festgestellt. Wider besseren Wissen wird die Vergiftung von Bienen und Natur jedoch in Kauf genommen. Wissenschaftler und Behörden versuchen die Imkerschaft mit der Behauptung es sei ein einmaliger Unfall geschehen und mit Entschädigungen zu beruhigen.
Im folgenden die Übersetzung der Zusammenfassung einer wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Jahr 2006: „Presence of the a.i. imidacloprid on vegetation near corn fields sown with Gaucho dressed seeds”,
Bulletin of Insectology 59 (2):99-103, 2006.
„Es ist realistischer Weise davon auszugehen, dass Honigbienen, die Nektar, Pollen, Wasser und Tau auf dem natürlichen Bewuchs sammeln, mit Imidacloprid in Berührung kommen, insbesondere in Gebieten mit intensivem Maisanbau aufgrund der geringen Alternativen an Bienenweide und der zeitgleichen Frühlingsblüte. Die Verteilung über Wind und Staub während des Sävorgangs können die Verbreitung des Imidacloprids stark fördern. Auf den Grünstreifen können sich also die aktiven Substanzen von mehreren Sävorgängen im gleichen Bereich ansammeln, so dass über einen Zeitraum von 3 – 4 Wochen des Säzeitraums eine Kontamination vorhält.
In Zonen intensiven Maisanbaus können Honigbienen kontinuierlich mit subletalen und letalen Dosen in Kontakt kommen, die [akute] und chronische Vergiftungen mit ernsten Konsequenzen für das Bienenvolk und deren Sterblichkeit bewirken, wie man sie oft bei Völkern in solchen Gegenden findet.
Die Untersuchung zeigt eindeutig, dass die Maisaussaat potentiell umweltschädigend ist und für Bienen und möglicherweise
auch andere Bestäuber gefährdend ist, falls gefährliche Substanzen freigesetzt werden. Dieses Problem
könnte auch bei anderen Insektiziden gelten, die bei der Maisaussaat verwendet werden.
Um die Umweltauswirkungen in Gebieten mit intensivem Maisanbau zu reduzieren, ist es wichtig, die Klebstoffe zu verbessern oder Änderungen an den Sämaschinen vorzunehmen.”

? Anreicherung der Wirkstoffe

Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide, die das Immun- oder Nervensystem schädigen, bauen sich sehr langsam ab. Für Clothianidin wurden Halbwertszeiten von bis zu fünf Jahren beobachtet. Selbst unbehandelte Pflanzen, auf deren Feldern in den Vorjahren Imidacloprid oder Clothianidin eingesetzt wurde, nehmen den im Boden befindlichen Giftstoff über die Wurzeln auf und können eine für Bienen gefährliche Konzentration enthalten. Aus diesem Grund ist der Wirkstoff in Frankreich und Kanada verboten. In Deutschland ist Clothianidin mittlerweile für Kartoffeln, Mais, Zucker- und Futterrüben, Getreide und Raps zugelassen. Es ist also davon auszugehen, das sich der Wirkstoff im Laufe der Zeit in unseren Böden anreichert und ungewollt in immer mehr Nutzpflanzen auftritt.

? Nebenwirkung auf Verhalten, Vitalität & Immunsystem

Die bisherigen Prüfungsverfahren mit denen die Wirkung von Pflanzenschutzmittel auf Bienen und Umwelt untersucht werden sind unzureichend. Sie gehen mit einem Sicherheitsfaktor von der durchschnittlichen tödlichen Dosis eines Wirkstoffes für einzelne Bienen aus. Diese Verfahren sind gänzlich ungeeignet subletale Effekte auf Verhalten, Vitalität und Immunsystem des Bienenvolkes zu erkennen. In Anbetracht der neuartigen, hochgiftigen Wirkstoffe sind angemessene neue Untersuchungsmethoden im Rahmen der Pflanzenschutzverordnung unabdingbar. Wir fordern diesbezüglich einen Dialog mit Agrarminister Seehofer und entschiedenes Handeln. Eine Fortsetzung der bisherigen Zulassungspraxis erweckt den Eindruck, dass die Lobby- und Interessenverbände der Agrarchemie einseitig Berücksichtigung finden.
Neben den spektakulären Vergiftungsschäden ist unser heutiges Problem die regelmäßige Belastung der Bienen und ihrer Brut mit geringen Dosen von Pflanzenschutzmitteln. Das wird auch durch eine  wissenschaftliche Untersuchung zum Bienensterben in den USA deutlich. Im Jahr 2007 wurden Pollenproben auf Chemikalien und Pestizidrückstände untersucht. Dabei wurden in 108 Pollenproben 46 verschiedene Pestizide gefunden. Im Durchschnitt waren es fünf verschiedene Pestizide pro Pollenprobe (max. 17!). Es mag sein, dass in Deutschland eine geringere Belastung vorliegt. Die Zahlen machen jedoch deutlich, dass eine ökologische Orientierung im Pflanzenbau und neue Zulassungsverfahren zwingend erforderlich sind.

? Zusammenarbeit von Landwirt & Imker

Unsere Bienen sind von einem epochalen Wandel der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden betroffen. Wir Imker
bemerken diesen Wandel aber erst nach und nach durch Probleme mit der Bienengesundheit. Es liegt uns fern,
Landwirte anzugreifen oder gar als Übeltäter auszumachen. Wir sitzen mit ihnen in einem Boot und brauchen uns
gegenseitig. Es ist jedoch wichtig über die Dinge zu reden und nach besseren Lösungen zu suchen. Lösungen, die für unsere Bienen, den Anbau von Nahrungsmitteln, die gesamte Umwelt und den Menschen vertretbar sind.

? Schutz von Tier & Mensch erforderlich

Mit der Anwendung der neuen Generation von Neonicotinoiden wird keine gezielte Bekämpfung eines bestimmten Schädlings vorgenommen. In der Regel ist eine Fülle von Lebewesen, die nicht Ziel der Anwendung sind, direkt betroffen. Das sind z.B. Schmetterlinge, Solitärbienen, Hummeln und auch Bodenlebewesen. Die Neonicotinoide gehören mittlerweile zu den am häufigsten nachgewiesenen Pestiziden in Lebensmitteln aus Nachtschattengewächen. Es ist damit zu rechnen, dass die gesundheitsgefährdende Wirkung dieser Stoffe schleichend auch beim Menschen zum Tragen kommt.

1 comment to Imker bereit zur Klage gegen hoch toxisches Nervengift

  • Imker bereit zur Klage gegen Zulassung von hoch toxisches Nervengift…

    Im Frühjahr 2008 starben im Rheingraben bei der Ortenau nach offiziellen Schätzungen mehr als 11.0…

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